Auch Israel ist mitschuldig

Mittwoch, 19. Oktober 2016 |  Aviel Schneider

(Foto: Modell des zweiten Tempels im Israel Museum, Jerusalem)

Auch wenn die jüngste Entscheidung der UNESCO keinen historischen Sinn macht und aus israelischer Sicht eine pure antiisraelische Entscheidung ist, so sind Israels Regierungen mit für diese irre Resolution verantwortlich. Es ist leicht zu behaupten, dass dies eine politische, hypokritische und antisemitische Entscheidung sei. Es stimmt auch, dass Jerusalem nicht ein einziges Mal im Koran vorkommt und in der Bibel hundertmal. Natürlich ist allen klar, dass der erste und zweite jüdische Tempel dort gestanden hat. Aber was haben die israelischen Regierungen geleistet, dies neben dem Geschrei gegen UNESCO, dies vor Ort zu beweisen? Eine Selbstkritik.

Mit der Wiedervereinigung Jerusalems 1967 hat Israel das Hissen der israelischen Flagge (angefangen mit Mosche Dayan) und das Beten von Juden auf dem Tempelberg strikt verboten. Obwohl der damalige Militärrabbiner Schlomo Goren das Beten von Juden auf dem Tempelberg erlaubte, haben dies nach ihm Israels Oberrabbiner mit der Begründung „nicht aus Versehen die Stelle des Allerheiligtums zu betreten“, zurückgenommen. Auch wenn das Oberste Gericht in Jerusalem auf eine Verbindung zwischen den jüdischen Tempelplatz und dem jüdischen Volk besteht, so verbietet der Gerichtshof jüdische Gebete auf dem Tempelplatz. Juden mit Gebetsmäntel, Gebetsbücher und Bibel dürfen nicht auf dem Tempelplatz. Jemand der verdächtigt wird, oben heimlich zu beten, wird sofort von der israelischen Polizei verhaftet.

Der jüdische Tempelplatz auf dem heute zwei Moscheen stehen ist seit dem Sechstagekrieg 1967 unter autonomer Herrschaft der islamischen Religionswächter Waqf. In Israel ist allen bewusst, dass die israelischen Regierungen aus taktischen Gründen die Moslems nicht verärgern wollen und daher ihnen den Tempelberg überlassen haben. Wie oft haben die Palästinenser in den letzten 20 Jahren Israel mit nationalen Aufständen und Kriegen gedroht, wenn sich Israel in religiösen Angelegenheiten auf dem Tempelberg einmischte. Um die Ruhe im Land zu bewahren, haben alle israelische Staatsführer ein Auge zugedrückt und den Moslems auf dem Tempelberg eine Art Selbstverwaltung zugestimmt. Keiner darf den jüdischen Tempelplatz ohne Absprache mit dem Waqf betreten. Ende der 90er Jahre haben die moslemischen Religionswächter über 400 Lastwagen mit Erdschutt von unterhalb des Tempelplatzes mit israelischer Genehmigung weggeschmissen. Sie bauten die dritte Moschee, wo einmal Salomos Pferdeställe waren. Unter der Beobachtung der israelischen Regierungen, auch Netanjahus, wurde der jüdische Tempelplatz an etlichen Flächen zerstört.

Es waren damals zwei Archäologen, Tzachi Davira und Dr. Gabriel Barkai, die mit Hilfe von tausenden Volontären den Tempelschutt auf der Müllkippe am Rande von Jerusalem Eimer weise durchsiebten. Seitdem haben sie tausende Münzen, Stempel, Tonscherben und Kacheln aus der Zeit des ersten und zweiten Tempels gefunden. Im zweiten Fernsehkanal erzählten beide Archäologen was für wertvolle Funde sie aus dem Erdschutt gemacht haben, 500.000 Funde an der Zahl. Diese archäologischen Ausgrabungen haben private Menschen mit Spenden gefördert, keine israelische Regierung! Wenn heute alle gegen UNESCO schreien eine antijüdische Entscheidung getroffen zu haben, so ist Israel dafür mitverantwortlich. Laut den Archäologen haben Israels Regierungen nichts für die historische Bewahrung des jüdischen Tempelplatzes unternommen. „Wie oft haben wir die Regierungen über die Jahre hinweg für finanzielle Hilfe angefragt und keinen Cent bekommen“, sagte Davira vor der Kamera. „Nicht einmal einer unsere archäologischen Funde aus der Tempelzeit wurde in der offiziellen Broschüre des israelischen Außenministeriums an UNESCO veröffentlicht.“ Im Ausland predigen Israels Politiker wie wichtig der jüdische Tempelplatz für die jüdische Nation ist, aber vor Ort und Stelle zeigen sie oft das Gegenteil. Man hütet sich mit dem Islam anzulegen und damit wird Israels legitimer Anspruch auf den jüdischen Tempelplatz in Jerusalem automatisch geschwächt und gelähmt.

Video: Erde,die illegal vom Tempelberg nach Grabungen weggeschüttet worden war,wird von freiwilligen Helfern gesiebt, um wertvolle archäologische Artifakte des Tempelbergs sicherzustellen

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