In Ehren an Robert Wistrich

Mittwoch, 27. Mai 2015 |  NAI Redaktion

Robert Solomon Wistrich, Professor für Europäische und Jüdische Geschichte an der Hebräischen Universität in Jerusalem und weltbekannter Gelehrter im Bereich der Antisemitismusforschung, ist am 19. Mai an einem Herzinfarkt gestorben. Sein plötzlicher Tod ist ein Schlag für alle, die sich dem Kampf gegen Antisemitismus verschrieben haben.

Wistrich, der auch dem Internationalen Vidal-Sassoon-Zentrum für Antisemitismusstudien der Hebräischen Universität vorstand, veröffentlichte zahlreiche Werke wie „The Left Against Zion“ (1979) und „A Lethal Obsession: Antisemitism – From Antiquity to the Global Jihad“ (2010). Zwei Tage vor seinem Tod schickte Wistrich seine letzte Kolumne an die Editoren der Jerusalem Post. Hier ein Auszug seiner Zeilen, die am 20. Mai veröffentlicht wurden:

Es gibt heute nur wenige Themen, die so besorgniserregend für die jüdische Gemeinde in der gesamten Welt sind, wie das derzeitige Wiedererwachen des Antisemitismus. Ich habe immer betont, dass es wichtig ist, dass wir uns von gewissen überholten Mythen lossagen. Mein erster Punkt ist, dass viele Juden in Israel und in der Diaspora auch heute noch auf die traditionellen, rechts-extremistischen Gefahren fixiert sind. Auch wenn Neo-Faschismus noch existiert, stellt er meistens nur eine zweitrangige Gefahr dar.

Zweitens besteht der illusorische Glaube, dass mehr Bildung und Erinnerungen an den Holocaust als effektive Mittel gegen heutigen Antisemitismus dienen können. Diese Vorstellung ist unzutreffend. Im Gegenteil wird heutzutage eine „Holocaust-Umkehrung“ (d.h. die widernatürliche Umwandlung von Juden in Nazis und Muslimen in schikanierte „Juden“) allzu oft genutzt, um Israel an den Pranger zu stellen und das jüdische Volk zu verleumden.

Drittens müssen wir deutlicher denn je zuvor erkennen, dass der Hass gegen Israel seit 1975 (mit der skandalösen UN-Resolution, die Zionismus als Rassismus verurteilt hat) immer mehr zu einem Hauptvektor des „neuen“ Antisemitismus mutiert. Mit der Verunglimpfung des jüdischen Staates als „rassistisch“, „Nazi“, „Apartheid“ haben seine Feinde den Zionismus in ein Synonym für Kriminalität und Schande verwandelt. Deshalb ist jeder Jude (oder Nicht-Jude), der das komplett „illegitime“ oder unmoralische „zionistische Gebilde“ unterstützt, mitschuldig am universell Bösen.

Viertens ist der heutige Antisemitismus das Ergebnis einer neuen zivilen Religion, die man als „Palästinenserismus“ bezeichnen könnte. Das offizielle palästinensische Narrativ versucht, Israel durch ein judenreines Palästina zu ersetzen, das sich vom Mittelmeer bis zum Fluss Jordan erstreckt.

Fünftens ist der Antisemitismus seit Beginn des 21. Jahrhunderts mit der zunehmenden „Islamisierung“, die sich im Heiligen Krieg der Terroristen gegen Juden und nicht Moslems richtet, verstrickt.

Meine sechste Beobachtung richtet sich an Israelis und die Juden in der Diaspora, die ihre jüdische Identität, die jüdischen Grundwerte und die Tiefe ihrer Beziehung zum Land Israel und ihrem historischen Erbe wieder entdecken, neu definieren oder wieder Zugang zu diesen Aspekten gewinnen müssen.

Daraus ergibt sich auch meine letzte Überlegung. Ich glaube, dass wir unsere Berufung, unsere moralischen Prioritäten, unseren Daseinszweck und die tiefere Bedeutung unserer fast einem Wunder gleichenden Rückkehr zum historischen Heimatland für uns selbst erst klären müssen, vor allem in einem Zeitalter der jüdischen Ermächtigung, in dem wir in einem souveränen und demokratischen israelischen Staat leben. Das ist die andere Seite der Medaille in unserem essentiellen und unerbittlichen Kampf gegen Antisemitismus.

Während wir den Jerusalem-Tag feiern, lasst uns dem biblischen Versprechen würdig sein, „denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und des HERRN Wort von Jerusalem.“ Wir müssen der nationalen und universellen Vision der biblischen Propheten treu sein. Antisemitismus ist weder „endlos“ noch muss er die Juden davon abhalten, ihre ultimative Vorsehung, eines Tages „das Licht unter den Nationen“ zu sein, zu erfüllen.

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