Jüdische Opfer werden in Israel beigesetzt – Überlebende noch immer unter Schock

Dienstag, 13. Januar 2015 |  NAI-Redaktion

Die vier Opfer der Geiselnahme in dem koscheren Supermarkt in Paris werden heute in Israel beigesetzt. Ihre sterblichen Überreste sind am Morgen im Heiligen Land eingetroffen. Insgesamt waren es 17 Menschen, die während der drei Tage des islamistischen Blutbades niedergeschossen wurden. Frankreich wurde bis ins Mark erschüttert und eine Welle des Schocks ging durch die drittgrößte jüdische Gemeinschaft der Welt. Die Überlebenden stehen zum Teil noch unter Schock. Einige berichteten nun von ihren dramatischen Erlebnissen mit dem Geiselnehmer.

Die jüdischen Todesopfer von Paris: Yohan Cohen (22) war ein Angestellter des jüdischen Supermarktes; Yoav Hatab (21) war ein Student tunesischer Herkunft und eines von elf Kindern des Oberrabiners von Tunis; Phillipe Barham (45) war Führungskraft in einem IT-Unternehmen, Vater von vier Kindern und der Bruder eines Rabbis; und François-Michel Saada (64) war Pensionär und zweifacher Vater. Bild: Freunde und Verwandte trauern in Bnei Brak um Yoav Hatab.

Alle vier Opfer wurden von Amedy Coulibaly erschossen. 15 weitere Menschen hatte er stundenlang in seiner Gewalt. Coulibaly stand in Verbindung mit den zwei islamistischen Extremisten, die zwei Tage zuvor das Massaker bei Charlie Hebdo verübten.

Die vier jüdischen Opfer sollen ihre letzte Ruhe auf dem Givat-Shaul-Friedhof - auch bekannt als der Berg der Ruhe - im Westen Jerusalems finden. An der Zeremonie werden Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Staatspräsident Reuven Rivlin und Oppositionsführer Isaac Herzog teilnehmen, sowie weitere Minister, Personen des öffentlichen Lebens und die Familien der Opfer.

Mittlerweile tauchen immer mehr Aussagen von Überlebenden der Geiselnahme auf, die das brutale Vorgehen von Coulibaly bestätigen. Yoel Walid, der Bruder des Supermarktbesitzers Patrice sagte gegenüber dem israelischen Armee-Radio: „Patrice stellte sich dem Mann gegenüber und er antwortete: `Wenn du ein Jude bist, wirst du sterben. Jeder hier wird sterben!` Mein Bruder sagte dann,`Hier sind auch Kinder.`Aber der Terrorist kümmerte sich nicht darum und begann zu schießen... Patrice wurde angeschossen, aber er konnte fliehen und alarmierte die Polizei.“

In einem Interview mit der französischen Internetseite Liberation berichtete Nessim Cohen, eine weitere Geisel, dass eines der Opfer nach Luft rang, nachdem es niedergeschossen worden war. Coulibaly, den Cohen als sehr ruhig beschrieb, fragte die Geiseln: „Wollt ihr, dass ich ihn erledige?“ Sie sagten nein und er ließ es sein. Nach einer halben Stunde habe die Person keinen Laut mehr von sich gegeben. Der Islamist machte gegenüber seinen Geiseln keinen Hehl daraus, wer er war, sagte Cohen weiter. Er habe zugegeben, die Polizistin in Montrouge getötet zu haben, dass er die Kouachi-Brüder gut kenne und mit ihnen im Gefängnis gewesen sei.

„Er sagte uns, er tue das alles im Namen des islamischen Staates. Redete über das Kalifat und all das. Er sagte uns sogar, dass er nichts gegen Juden hätte. Doch wir würden Steuern an den französischen Staat zahlen und so dessen Taten billigen.“ Die Geiseln sollten dann Einkaufswagen auf den Boden legen, damit „die Frauen sich setzen konnten“. Als Cohen die zwei AK-47, zwei automatische Handfeuerwaffen, ein Messer und Dynamitstangen bemerkte, sagte ihm Coulibaly: „Wie du siehst, bin ich gut bewaffnet.“

Die Geiseln konnten sich im Supermarkt relativ frei bewegen. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass er misstrauisch ist“, so Cohen, „Einmal durchstöberte er die Regale und machte sich ein kleines Sandwich. Er sagte uns `kommt und bedient euch`.“ Coulibaly habe dann seine Aufmerksamkeit auf die Berichterstattung der Medien gerichtet und sei sehr ärgerlich darüber gewesen, dass nicht gesagt wurde, dass es im Supermarkt Tote gegeben hatte. Er rief dann BFM-TV an und verlangte, sie sollen ihre Schlagzeilen ändern.

Coulibaly sei dann zum Beten gegangen, die Geiseln sahen ihn 15 Minuten lang nicht. Als er danach begonnen habe, mit seinem Sprengstoff zu hantieren, sei der Zugriff der Einsatzkräfte erfolgt, der Täter wurde erschossen.

Einer, der nun versuchen muss, mit dem schrecklichen Geschehen fertig zu werden, ist der Besitzer des koscheren Supermarktes, Patrice Walid. „Ich kann noch nicht wieder arbeiten. Ich stehe noch immer unter Schock. Ich kann noch nicht verarbeiten, dass einer meiner Angestellten und drei Kunden ermordet worden sind,“ erklärte er Freunden, die ihn im Krankenhaus besuchten. Walid wurde in die Schulter geschossen. Nach Aussage von Familienmitgliedern geht es ihm stetig besser.

„Es war wie ein Wunder für mich und ich danke Gott,“ betonte der Supermarkt-Inhaber. „Ein paar Zentimeter mehr und die Kugel hätte mein Herz getroffen. Ich will nun das Geschäft verkaufen und nach Israel auswandern.“

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