Teurer Schokopudding treibt Israelis nach Berlin

Freitag, 10. Oktober 2014 |  NAI-Redaktion

Der sogenannte „Milky-Protest“ in Israel weitet sich aus. Es geht um Schokoladenpudding, der in Deutschland wesentlich billiger verkauft wird als im Heiligen Land. Der Pudding ist zum Protestsymbol geworden. Eine Gruppe in Deutschland lebender Israelis hat ihre Landsleute sogar aufgefordert, nach Berlin auszuwandern, weil dort die Lebenshaltungskosten bezahlbar niedrig seien. Holocaust-Überlebende sind entsetzt, die Regierung in Jerusalem ist aufgeschreckt.

Finanzminister Yair Lapid hat in einer ersten Reaktion versprochen, die Lebensmittelpreise zu regulieren. „Ich verstehe diejenigen, die nach Berlin ziehen, und ich bin sogar einer Meinung mit ihnen,“ erklärte Lapid. „Es kann nicht so weitergehen, dass wir hier so enorm hohe Preise zahlen. Aber wenn Sie genauer hinschauen, wird Ihnen auffallen, dass sich schon einiges geändert hat. Und wir werden weiterhin mehr und mehr Produkte unter Preisaufsicht stellen.“ Dazu zählen unter anderem Käse und Sahne, weitere Produkte sollen folgen.

Rami Levy, Besitzer einer großen Supermarkt-Kette, unterstrich, er stehe voll hinter dem Protest und plane, den Preis für Milch in seinen Filialen um einen Schekel pro Packung zu senken. Zudem forderte er die Regierung auf, die Kosten für Wasser, Strom und die Grundsteuer zu reduzieren.

Für den Wirtschaftsexperten Gilad Afer gibt es einen klaren Grund für das Dilemma. Im Gespräch mit der israelischen Zeitung Israel Hayom erläuterte er: „Die hohen Lebenshaltungskosten sind das Ergebnis der Tatsache, dass der Markt in Israel nicht wettbewerbsfähig ist, weil das Land die Hersteller durch hohe Einfuhrzölle schützt. Das ist der gleiche Stil, wie es in der Sowjetunion gemacht wurde. Der einfachste Weg, die Lebenshaltungskosten zu senken, ist den Markt zu öffnen.“

Auf Facebook boomt gerade eine Gruppe zum Milky-Protest: Sie nennt sich „Olim LeBerlin“. Als Olim werden Einwanderer aus dem Ausland bezeichnet. Auf dieser Facebook-Seite werden Kassenzettel aus Supermärkten in Berlin und Israel miteinander verglichen. Das Erschreckende: In Berlin gibt es viele Produkte für die Hälfte oder ein Drittel des israelischen Preises. Auf der Facebook-Seite heißt es: „Wir helfen euch, auch mit Bürokratie, Formularen und Visa, damit ihr rauskommt aus den absurd hohen Lebenshaltungskosten in Israel“.

Etliche Holocaust-Überlebende stört dieser Aufruf zur Massenauswanderung. „Es war auch schwer für mich, als ich hierher kam, damals gab es gar nichts,“ berichtet Uri Chanoch, der das Konzentrationslager Dachau überlebt hat. „Aber ich würde niemals auf die absurde Idee kommen, dieses Land zu verlassen. Der Gedanke ist eine Schande!“

Colette Avital leitet das Zentrum für Holocaust-Überlebende in Israel. Sie sagt: „Diese Aufrufe, nach Berlin zu ziehen, sind für die Holocaust-Überlebenden ein Schlag ins Gesicht. Dieser Aufruf macht ihre Geschichte zunichte.“ Aber es gibt auch andere Stimmen. Der Holocaust-Überlebende Merion Cohen, 89 Jahre alt, hat Verständnis für die Auswanderer: „Wenn man nicht weiß, wie man bis zum Monatsende durchkommen soll, ist das absolut nicht einfach.“

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