Nazi-Jäger auf den Spuren deutscher Kriegsverbrecher

Freitag, 3. Oktober 2014 |  NAI-Redaktion

Das Simon-Wiesenthal-Center hat der deutschen Regierung eine Liste von 80 deutschen Staatsbürgern vorgelegt, die im Zweiten Weltkrieg den Tod von zahlreichen Juden verschuldet haben sollen. Ein Sprecher der jüdischen Organisation aus Jerusalem gab an, dass diese Personen immer noch am Leben seien.

Ins Leben gerufen wurde die bahnbrechende Suche nach den Nazi-Verbrechern im Jahr 2011 durch den Fall von John Demjanjuk, der als Wachmann des Vernichtungslagers Sobibor in Polen gearbeitet hatte. Demjanjuk war der erste Nazi-Kriegsverbrecher, der in Deutschland lediglich auf der Basis dessen verurteilt wurde, dass er als Wache in einem Todeslager gearbeitet hatte – ohne Nachweis einer bestimmten Straftat oder namentlich genannte Opfer. Er starb im März 2012 im Alter von 91 Jahren.

Das Urteil löste eine Welle von neuen Untersuchungen aus, obwohl heute – fast 70 Jahre nach dem Ende des Holocaust – die meisten Verdächtigen längst verstorben sind. Die Jagd zielt nun nicht mehr nur auf hochrangige Nazis ab, sondern ebenfalls auf Tausende von Mitläufern, die auf irgendeine Art und Weise an der „Maschinerie des Todes“ mitgewirkt haben.

„Wir fordern, dass die Taten dieser Menschen untersucht und verfolgt werden“, so ein Sprecher des Wiesenthal-Centers. Jeder, dem die Mitarbeit in einem Todeslager nachgewiesen werden könne, solle verurteilt werden, so der Sprecher weiter.

Die sogenannten „Einsatzgruppen“ haben schreckliche Taten und Massenmorde begangenen, vor allem im besetzten Polen und der Sowjetunion. Viele Historiker sind der Ansicht, dass die sogenannten Todesschwadronen mehr als eine Million Juden getötet haben.

Der Großteil der Verbrechen spielte sich im Zeitraum zwischen 1941 und 1943 ab, so der Wiesenthal-Sprecher. Bisher konnte aus Datenschutzgründen noch nicht geklärt werden, ob die 80 Personen auf der Liste, die auch vier Frauen umfasst, noch am Leben oder bereits verstorben sind. Sicher sei aber, dass diese Menschen nach 1920 geboren wurden. „Jede Person, die wir finden, ist ein Sieg für uns. Das letzte, was wir für diese Menschen fühlen, ist Sympathie“, erklärte der Sprecher.

Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums erläuterte gegenüber israelischen Medien, dass die Liste an das Büro des Sonderstaatsanwalts in Ludwigsburg weitergegeben und nun dort untersucht werde.

Das Simon-Wiesenthal-Center hat seinen Hauptsitz in Los Angeles. Es beschäftigt sich mit Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord. Das Zentrum ist sowohl in den Vereinten Nationen als auch bei der UNESCO als Nichtregierungsorganisation (NRO) zugelassen. Die Kampagne „Operation Last Chance“ verfolgt das Ziel, gesuchte und noch lebende NS-Kriegsverbrecher der Justiz zuzuführen. Sie wird von Efraim Zuroff, dem Direktor des Standorts Jerusalem, geleitet.

Foto: Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.

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