Evolutionslehre hält Einzug an israelischen Schulen

Dienstag, 3. Juni 2014 |  Ein Kommentar von Tsvi Sadan

Nur Naive glauben noch, dass man die Wissenschaft von der Politik trennen könnte. Der Skandal rund um die globale Erwärmung 2009, bei dem Daten unterdrückt und manipuliert wurden, um die politisch korrekte, wissenschaftliche Theorie zu unterstützen, hat zum millionsten Mal gezeigt, dass Wissenschaft und Politik in der Realität nicht zu trennen sind. Daher ist es nicht überraschend, dass Israels Bildungsministerium nun bekannt gegeben hat, dass im offiziellen Schul-Lehrplan nun auch Darwins Theorie der Evolution enthalten sein wird.

Jedoch betonte das Bildungsministerium, dass eine gemeinsame Abstammung von Menschen und Menschenaffen nicht als Fakt dargestellt werde. Das Judentum lehrt nämlich – ähnlich wie das Christentum – dass die ganze Welt von Gott geschaffen wurde. Die Evolutionstheorie wiederum geht davon aus, dass alles Leben aus einer einzigen Zelle stammt, die sich vor mehr als drei Milliarden Jahren entwickelt hat.

Jahrtausende vor Darwin, bevor die Wissenschaft zum beliebtesten alternativen Glauben wurde, erklärten jüdische Gelehrte in fast prophetischer Vorwegnahme von Darwin, dass „Himmel und Erde in all ihren Bereichen vollständig und abgeschlossen sind“ (Gen 2,1). Das bedeutet, dass Gott bereits alles in fertiger Form erstellt hat, ohne die Notwendigkeit, sich noch zu entwickeln. Dementsprechend lehrt das Judentum, dass Adam und Eva als 20-jährige reife Erwachsene geschaffen wurden und nicht als Babys, Föten oder Einzelzellen.

Im Grunde ist die religiöse Sicht der Schöpfung genau wie die Evolutionslehre nichts anderes als die Interpretation von Daten und nicht die Annahme von Fakten. Die Evolution lehrt beispielsweise, dass Vögel sich aus einer bestimmten Dinosaurier-Art entwickelt hätten – obwohl keinerlei Fossilien existieren, die die Verbindung zwischen Ur-Eidechsen und Kolibris belegen würden. Die Evolutionslehre geht schlichtweg auf der Grundlage verfügbarer Daten davon aus, dass ihre Annahme stimmt.

Kreationismus und Evolution sind keine Wissenschaften: Sie sind weder in der Lage, wissenschaftliche Kriterien noch wiederholte Versuchsreihen ausreichend zu befriedigen. Aus dieser Sicht sei es klar, dass dieses Thema in Israel sehr sensibel ist, so Haggai Netzer. Er ist Mitglied im israelischen Bildungsausschuss und ist sich sicher, dass „es keinen direkten Bezug zwischen der Herkunft der Menschen und der Affen gibt. Wir bemühen uns, kontroverse Themen im Unterricht zu vermeiden... Jedoch bleibt es letztendlich jedem Lehrer selbst überlassen, welche Dinge er in seinem Unterricht mehr oder weniger betonen möchte.“

Diese Aussage ist lobenswert, da sie zeigt, dass man Israel die Wahl hat, welchen Stellenwert man der Evolutionslehre zugesteht. Im Gegensatz zu anderen Ländern, die ihren Schülerinnen und Schülern die Evolution als unbestreitbare wissenschaftliche Tatsache darstellen, scheint Israel sowohl den religiösen als auch den weltlichen Fundamentalismus nicht zu unterstützen. Zwar gibt es Menschen in Israel, die die Religionsgemeinschaften wegen der biblischen Erzählungen für primitiv und abergläubisch halten – in diesem Fall hat zumindest das Bildungsministerium einen Weg gefunden, der nicht zu Extremismus, Spaltung oder Streit führt.

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