Eva Heymanns Tagebuch: „Ich will noch nicht sterben“

Montag, 28. April 2014 |  Ora Shapiro

„Mein liebes Tagebuch, ich will nicht sterben; Ich will leben, auch wenn es bedeutet, dass ich die einzige Person sein werde, der erlaubt wird, hier zu bleiben. Ich könnte auf das Ende des Krieges im Keller warten, oder auf dem Dach, oder in einem geheimen Versteck. Ich würde mich sogar von dem schielenden Gendarmen, der unser Mehl weggenommen hat, küssen lassen, nur damit sie mich nicht töten, nur, damit sie mich leben lassen.“ Dies waren die letzten Zeilen, die die 13-jährige Eva Heyman in ihr Tagebuch schrieb – nur wenige Tage vor ihrer Deportation am 30. Mai 1944 nach Auschwitz Birkenau. Dort wurde sie ermordet.

Eva stammte aus einer jüdischen Mittelstandsfamilie und wuchs in der Stadt Nagyvarad in Ungarn auf.

In ihrem Tagebuch beschreibt Eva, wie sie sich fühlte, unmittelbar bevor die Nazis in ihre Heimatstadt eindrangen. Sie schildert darin die Auswirkungen, die die anti-jüdischen Gesetze auf ihren Stiefvater und Großvater hatten. Und sie erzählt, wie ihre Familie versuchte, sich gegenseitig davon zu überzeugen, dass der Krieg bald vorbei sein und das Leben wieder normal werden würde.

Am 19. März 1944 wurden ihre schlimmsten Befürchtungen zur Realität, als ihre Heimatstadt von den Nazis eingenommen wurde. Sie schrieb diesen herzzerreißenden Eintrag: „Liebes Tagebuch, du hast solches Glück, weil du nicht fühlen und wissen kannst, was für ein schreckliches Schicksal wir haben: Die Deutschen sind da!“

In ihrem Tagebuch erläutert Eva anschaulich, wie sich die Situation für die Juden in Ungarn verschlechtert hatte. Jeden Tag gab es mehr Gesetze, die über sie verhängt wurden und sie einschränkten. Sie mussten beispielsweise einen gelben Stern als Erkennungszeichen tragen. All ihre Besitztümer wurden beschlagnahmt. Schließlich, am 1. Mai 1944, wurden die Juden aus ihren Häusern vertrieben und in einem Ghetto unter unmenschlichen Bedingungen zusammengepfercht. Eva schrieb an diesem Tag:

„Liebes Tagebuch, von jetzt an stelle ich mir vor, es wäre alles hier nur ein schlechter Traum. [...] Ich weiß, es ist kein Traum, aber ich kann diese Sache hier nicht glauben. [...] Niemand sagt auch nur ein Wort. Liebes Tagebuch, ich habe noch nie solche Angst gehabt.“

Das Tagebuch endet am 30. Mai 1944 mit einem letzten Eintrag vor Evas Deportation nach Auschwitz : „Ich will leben, egal was es kostet.“ und „Ich will noch nicht sterben, denn ich habe doch kaum gelebt.“

Eva ist eines von rund 1,5 Millionen unschuldigen Kindern, die von den Nazis ermordet wurden, bevor sie eine Chance hatten, ihr Leben zu leben. An Jom HaShoah, dem Holocaust-Gedenktag, gedenkt Israel der sechs Millionen Juden, deren sechs Millionen Welten, Träume, Wünsche und Pläne von den Meistern des Bösen vernichtet wurden.

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