Schabbatlesungen und Kommentar

Freitag, 22. Oktober 2010 |  ih Redaktion
„VA’JERA – Und Er erschien“ 1. Mose 18,1 bis 22,24. Prophetenlesung: 2. Könige 4,1-37

Kommentar:

Unsere Wochenlesung beginnt mit der Gastfreundschaft Abrahams und Sarahs. Sie „eilten“ in Vorbereitung des Mahls für die drei Gottesmänner in der Hitze des Tages bei Alon Mamre (nicht weit vom heutigen Hebron). Das Beste war gerade gut genug. (Auffallend ist, dass Rindfleisch zusammen mit Milch verzehrt wurde, ganz unkoscher im Sinne des heutigen religiösen Judentums - doch es geschah ja, bevor die Thora gegeben wurde – so die Rabbiner heute!)

Solch „klassische“ Gastfreundschaft ist heute noch unter den Arabern, Beduinen und besonders bei den sephardischen Juden zu finden. Auch das Neue Testament hebt die Wichtigkeit der Gastfreundschaft hervor, „denn wer weiß, wen er gerade zu Gast hat, vielleicht wie bei Abraham einen Gesandten Gottes?“ Weise keinen Gast ab, wenn er auch unerwünscht sei – vielleicht hat er ein Wort von Gott für Dich.

Es folgt eine weitere Glaubensprüfung. ...und Sarah lacht (18,12-15)! Sie, die 90 Jährige, blickt auf ihre menschlich-biologische Befindlichkeit. Gerade da geschieht das Übernatürliche, Gottes Eingreifen. Das sind oft die Punkte, an die uns Gott führen muss, denn dann kommt uns der Zuruf: „Ist etwa für den HERRN etwas unmöglich?“ (18,14) Ja, erst muss in uns das Fleisch und der Eigenwille tot sein, dann kann der HERR wirken.

Nachdem die Männer Abraham die hoffnungsvolle Lebensbotschaft kundgaben, blickten sie in Richtung der geliebten Stadt Lots, Sodom und Gomorrah, und richteten an sie eine Todesbotschaft! Abraham, als der erste Fürbitter überhaupt, handelte mit allen Mitteln. 50, 45, 30, 20, ja bis herab auf zehn Gerechte, um derer willen diese Sündenstadt verschont werden sollte. Wäre die Mindestzahl vorhanden gewesen - Gott hätte es verhindert. Weiter herab, als bis auf zehn, ging Abrahams Flehen nicht.

Im Neuen Testament werden die Zeiten Lots mit der künftigen Endzeit verglichen. So sollten wir bei Abrahams Gerechtensuche aufmerken. Abrahams Handeln mit Gott war demütig und zurückhaltend: „Ich bin ja nur Staub und Asche (18,27) “. Nicht mit Hochmut! Die Zahl von mindestens zehn Betern während eines Gottesdienstes in einer Synagoge, genannt Minjan, hat hier ihren Ursprung.

Kapitel 19 spricht von der Zerstörung Sodoms und Gomorrahs. Doch zuvor rettet Gott, durch seine Gesandten, Lots Familie – denn er war ein Gerechter (Zaddik), siehe 2. Petrus 2,7, „seiner Generation“ wie einst Noah. Lot wie Noah rief Gott aus der dunklen Welt heraus, doch warnt Er uns: „Gedenke an Lots Weib!“ (Lukas 17,32), denn ihr Herz hing an der Welt. „Viele sind die Gerufenen, aber wenige die Erwählten!“ (Matthäus 22,14)

Interessante Ähnlichkeit finden wir auch zwischen Noah und Lot. Beide werden Gerechte genannt, beide gerettet und herausgerufen, aber sie enden durch Trunkenheit in einer Art sexueller Unzucht innerhalb der Familie, was mit einem Fluch auf die Völker der Verantwortlichen (Täter), Ham und später Moab und Ammon, abschloss.

Wir sehen im Absatz über die Töchtern Lots, wie der Geist Sodoms, ein Geist der Unzucht, noch in ihnen war (ab Vers 31). Oder war es ein Racheakt an ihrem Vater, der die Jungfrauen dem zügellosen Mob hingeben wollte, um die Gottesmänner zu verschonen? Beide Völker, Moab und Ammon, wurden verflucht und befinden sich heute wie damals auf der östlichen Seite des Jordans, genannt Jordanien. Amman, die Hauptstadt Jordaniens, trägt den Namen bis heute. Wenn man den Name Mo-ab, hebr. mo-aw, anschaut, sieht man noch, wie stolz die Töchter waren, sie nannte ihn „Vom Vater“!! Bis zur zehnten Generation war dieses Volk verflucht. Interessant, dass genau danach Ruth, die Moabiterin und Urgroßmutter von König David, auftaucht – nachdem der Fluch aufgehoben war!!

Im Kapitel 21 wird über die Geburt Isaaks berichtet. Sein hebräischer Name „Jitzchak“ bedeutet: „Er wird lachen“. Am achten Tag wurde er beschnitten. Jitzchak ist die - langversprochene – Erfüllung der Verheißung Gottes! Sein Lachen ist auch so zu verstehen: Das Unmögliche, das Gott möglich macht, ist (nur) scheinbar lächerlich. (Vers 6)

In der vorigen Lesung lasen wir von der Beschneidung Ismaels, und in der heutigen Lesung lesen wir von Isaaks Beschneidung am achten Tag, wie es bis heute jeder jüdische Knabe tut. Der Segensspruch bei der Beschneidung, hebr. „Brith Mila“, spricht von dem „Hineinkommen in den Bund Abrahams“. Interessant, es wurde schon medizinisch bewiesen, dass der achte Tag vom Blut her der passendste Tag ist, um eine Beschneidung am Fleische des Knaben durchzuführen!! Ferner ergibt das Wort „Brith“ den Zahlenwert von 612; d.h. nach dem ersten Gebot des Mannes durch die Beschneidung hat er noch die 612 Ge- und Verbote des Judentums zu befolgen.

In Kapitel 22 lesen wir von der größten Glaubensprüfung in Abrahams Leben. Er soll seinen geliebten Sohn, auf den er so lange gewartet hat, auf dem Berg Morija opfern. Abraham zögert nicht. Frühmorgens macht er sich auf den Weg. Ganz gehorsam im Glauben war er bereit, es zu vollziehen – ja, das Schlachtmesser war schon erhoben. Da kam die Stimme Gottes: „Abraham, Abraham! ... Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest.“ (22,12) Danach überschüttete der HERR ihn mit Segen.

Man spricht von der Bindung Isaaks, hebr. „akedat jitzchak“, und nicht von einer Opferung!! Das Binden des Erstgeborenen ans Holz erinnert uns ca. 1500 Jahre später!

Dieses Glaubensereignis am Berg Morija, wo später der Tempel in Jerusalem stand, ist im Judentum ein entscheidenes Bekenntnis. Sogar zu Neujahr, Rosch HaSchana, wird über die Akedat Jitzhak im Siddur Gebetbuch gelesen... Gott nannte Abraham "Jedid Adonai", der Freund Gottes, in Arabisch „Halil“, darum wird auch Hebron unter den Arabern "Halil" genannt – wo einst Ibrahim die Machpela-Höhle kaufte.

Abraham wurde "Vater des Glaubens und der Gläubigen".

Es hat sich gelohnt, Gott zu gehorchen! Die vergleichbare Szene von der Opferung eines geliebten und einzigen Sohnes wird viele Jahre später am Berg Golgatha geschehen. Das soll Abraham – laut messianischem Glauben – schon damals in einer Vision gesehen haben, denn er nannte die Stätte: Adonai Jireh – der HERR wird zeigen (Euch sehen lassen) (Vers 14).

Unsere Haftara aus den Propheten, aus 2. Könige 4, besagt, dass durch wahren Glauben bei Gott nichts unmöglich ist, wie wir in unserem Thoraabschnitt lasen: Zuerst geschah die Vermehrung des Öles, so dass die Witwe ihren Schulden zurückzahlen kann und noch reichlich für sie und ihre Söhne Gewinn bleibt (ja, so ist unser gnadenvoller Herr); dann das Wunder, wie Elisa einen Jungen wieder vom Tode aufstehen ließ, und zuletzt in diesem Kapitel das Wunder der Brot-Vermehrung. Ähnliche Wunder, denen wir durch Jesus, den Messias, im Neuen Testament begegnen!!!

Wir brauchen den zweifellosen und festen Glauben, alles zu geben wie einst Abraham und dann sind Wunder, wie Elisa sie tat, möglich!

- Michael Schneider –

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