Schabbatlesungen und Kommentar

Freitag, 15. Oktober 2010 |  ih Redaktion
Kommentar:

In unsere Lesung zum Schabbat, die dritte Parascha der Thora, begegnen wir den ersten der drei Erzväter, nämlich Abraham. Noch-Abram machte einen drastischen Schritt, den viele von uns Gläubigen nicht wagen, er setzte alles aufs Spiel nur um Gott nachzufolgen. „Ziehe hin... zu einem Land das Ich dir zeigen werde!“ (siehe auch Apg. 7,2-3) Trotz der Ungewissheit war Abram gehorsam (Hebräerbrief 11,8), wir sind oft noch nicht mal mit einem genau vorgelegtem Plan bereit es zu tun!

Den Dreischritt „aus deinem Land, aus deiner Heimat und aus deinem Vatershaus...“ finden wir später im Kapitel 22 wieder, als Gott ihm befiehlt: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebhast.“ Ja, Gott will dein Ganzes, dein Geliebtes, an dem du hängst – denn nur dann kann Er wirken. Wie es mit Hannah bei ihr Flehen um ein Kind war. Der Segen folgte direkt darauf und Abraham wurde gesagt: „Und Ich will dich zu einer großen Nation machen, und Ich will dich segnen, und Ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein!“ Was für ein gewaltiger Segen! Warum sind wir dann so kleingläubig, wenn der HERR uns ruft?

Dann folgt ein weiterer wichtiger Segen, der später speziell auf die Nachkommen Jakob d.h. Israel zutrifft (4. Mose 24,9): „Ich (der HERR) werde die segnen, die dich segnen; und wer dir flucht, den werde ich verfluchen...“ (12,3) Behaltet dies in Erinnerung!

Abram zog aus Ur (im heutigen Irak), der Stadt, die Nimrod, ein Widersacher Gottes erbaut hatte. Er war bereits 75 Jahre alt, als Gott ihn herausrief. Man ist nie zu alt, um seine Berufung zu empfangen. Hier schließt auch der Prophetenabschnitt aus Jesaja 40 an, wo das Alter keine Rolle spielt für die, die ‘auf den HERRN hoffen’ (29-31).

Abram und seine Frau Sarai erlebten zahlreiche Glaubensprüfungen. Dann kam es zur Trennung zwischen Lot und Abram, wieder eine Trennung von der Familie. Abram war demütig und sagte: „Willst du nach links, dann gehe ich nach rechts, und willst du nach rechts, dann gehe ich nach links“ (13,9). Rechts war die westliche Hemisphäre, hebr. jamin, in Richtung des Meeres (jam). Lot wählte nach dem äußeren Anschein das wasserreiche Gebiet im Osten von Sodom und Gomorrah. Es führte zum Bösen. Abram hat auch diesen Glaubenstest bestanden! (Heute liegt Sodom auf israelischem Gebiet und Gomorrah auf jordanischem.) Lot fand trotzdem nicht die Gelegenheit zur Buße, da er diese verpaßte, als er sich nicht seinem gottesfürchtigen Onkel anschloß und nicht so handelte wie später Ruth, die Moabiterin, die sich zu Naomi hielt. Auch nachdem Abram seinen Verwandten aus der Gefangenschaft, nachdem fünf Könige Sodom geplündert hatten, rettete, ließ dieser eine zweite Chance zur Buße verstreichen.

Dann lesen wir von dem gerechten König Malki-Zedek (Melchisedek), dem Abram in Salem (Jerusalem) begegnete. Weiter heißt es, er sei der Priester des Hohen Gottes (El Eljion), dessen Ursprung unbekannt ist. Messianische Juden sehen hier die Gegenwart Jesu in Malki-Zedek. Zum ersten Mal lesen wir in der Begrüßungszeremonie von den Elementen Brot und Wein, was bis heute bei Staatsempfängen in Israel üblich ist.

Auch Abraham gab Gott eine übernatürliche Sicht aufs verheißene Land wie später dem Mose.

Sein Alter macht Fortschritte und noch immer kein eigenen Sohn, und trotz sagt Gott ihm: „Blicke doch auf zum Himmel, und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst!... so zahlreich wird dein Nachkommenschaft sein!“ (15,5) Doch wo ist versprochene Sohn? Denn davor sagte er: „Ich gehe doch kinderlos dahin...“ Das Paar Abraham und Sarah Paar kam in Panik. Trotzdem setz Gott fort mit Verheißungen ‘vom Nil bis zum Euphrat’, das seine Nachkommen sogar in einer 400-jährige Sklaverei kommen wird (15,13). Abram hört weiter Verheißungen, aber Nachwuchs war nicht!

Ist nicht ähnlich bei uns, wenn uns etwas von Gott vorausgesagt wurde, und wir werden ungeduldig und verlieren fast den Glauben? Sarai, die Frau, kam dann zu ihrem vielleicht frustrierten Mann aus Mitleid und bat ihm ihre Magd Hagar an – denn sie meinte ‘Gott habe sie (biologisch) verschlossen’. Kapitel 16 spricht nun von der Geburt Ismael (Abram 86 Jahre!). Erst hat sie ihrem Mann sie ‘angedreht’, dann kam die Eifersucht und sie wollte sie wegschicken! Frauenaffäre sind wohl manchmal schwer zu verstehen! (man könnte sagen, dieser kleine Voreile brachte später für Generationen – bis heute – Streit zwischen die Söhne Jakob und die Söhne Ismael)

Als Abram 99 Jahre alt ist (Kapitel 17), 13 Jahre nach der Geburt Ismaels, nach menschlichen Gesichtspunkten ohne Aussicht auf Nachwuchs, und die einzige Hoffnung wäre ein übernatürliches Eingreifen Gottes, gab es eine weitere Verheißung und einen neuen Namen: Abraham. Der HERR offenbart sich zum ersten Mal als ‘El-Schaddai’: „... und ich will dich sehr, sehr mehren... und zum Vater einer Menge von Nationen werden.“ (17,2-5). Der ewige Bund erhält als Zeichen die Beschneidung (brit mila) am Fleisch eines jeden acht Tage alten Jungen. So tritt er in den ‘Bund Abrahams’ ein. Übrigens beschneiden die Araber gemäß Ismael ihre Jungen im Alter von 13 Jahren, darum sind sie auch die Nachkommen Abrahams – was wiederum die erwähnten künftige Grenzen ‘vom Nil bis zum Euphrat’ erklären könnte!

Abram wurde zu Abraham, Sarai wurde zu Sarah, beide erhielten den Buchstaben ‘He’, der wie das ’jod’ eine Kurzform des Gottesnamens JHWH ist (JaH). Namensänderung durch Gott hat immer etwas mit neuer Berufung zu tun – wie einst Jakob und Josua. Abraham konnte die Verheißungen für Sarah nicht mehr glauben. Er war es, der zuerst darüber lachte (17,17), später erst Sarah. Wir werden noch sehen, dass es nicht die letzte Glaubensprüfung Abrahams ist. Die größte steht ihm noch bevor!

Unsere Prophetenlesung aus Jesaja 40 sind passend für dem alten – fast hoffnungslosen – Abraham: "Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke... Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht". Und dann lesen wir in Kapitel 41:
"Du aber, Israel, Mein Knecht, Jakob, den Ich erwählt habe, Nachkomme Abrahams, Meines Freundes, du, den Ich ergriffen von den Enden der Erde und von ihren fernsten Gegenden her gerufen habe, zu dem Ich sprach: Mein Knecht bist du, Ich habe Dich erwählt und nicht verworfen - fürchte Dich nicht, denn Ich bin mit dir! Habe keine Angst, denn Ich bin dein Gott! Ich stärke dich, ja, Ich helfe dir, ja, Ich halte dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit."

Wer soll jetzt noch behaupten, er wäre zu alt für den Ruf Gottes!?

- Michael Schneider -

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