|
Politik
|
Donnerstag, 11. August 2005
|
Wenn sie wieder im Lande wohnen werden
60 Jahre nach Kriegsende wagten sich Freikirchen auf ein theologisches und
kirchengeschichtliches Minenfeld, um die Spanne zwischen Israel-Euphorie und
Judenfeindschaft auszuloten.
Auf der diesjährigen Frühjahrstagung des Vereins für Freikirchenforschung,
die am Theologischen Seminar Beröa in Erzhausen abgehalten wurde,
unternahm man einerseits den Versuch, das Versagen der Freikirchen gegenüber den
Juden im „Dritten Reich“ zu klären, andererseits aber warnte Wilrens Hornstra
vom Missionswerk „Jugend mit einer Mission“ (Hurlach) vor der Gefahr, die
alttestamentlichen Verheißungen auf das aktuelle Israel zu beziehen. D.h.
gegenüber den Juden der Vergangenheit zeigte man Betroffenheit, den Israelis der
Gegenwart gegenüber aber Ablehnung.
Sicher gibt es „Israel-Fans“, die Israel schon als Himmel auf Erden sehen. Doch
das Fehlverhalten Einzelner als Alibi zu benutzen, um auf Israel bezogene
Verheißungen Gottes für ungültig zu erklären, beweist nicht nur Bibelunkenntnis
bzw. dass man Gottes Wort nicht beim Wort nimmt, sondern auch einen moralischen
Error, denn wie könnte man sonst aus der Euphorie einzelner Israel-Fans
theologische Schlüsse ziehen.
Außergemeindliche Israelvereine und Israel-Gebetskreise wären überflüssig, wenn
in Kirchen und Freikirchen das prophetische Wort der Bibel in der rechten
Proportion neben Evangelisation usw. verkündet werden würde. Hier und da ist das
Weissagen zwar gern gesehen, doch Weissagen (hebr. hitnabut) ist etwas
anderes als Prophetie (hebr. newua). Auch Mitläufer wie Saul können
weissagen. Damit sind sie aber noch lange keine Propheten, denn Prophetie
ist das direkte Reden Gottes – und da gibt es nichts Sicheres als das
prophetische Wort der Bibel. Mir ist unverständlich, dass man das prophetische
Wort der Bibel nicht mehr beim Wort nimmt und sogar schon in Erfüllung gegangene
Prophezeiungen anzweifelt.
In Jesaja 43,5-6 sagt der HErr:
„Fürchte dich nicht, Israel, denn ich bin mit dir. Vom Osten will ich deine
Volksgenossen heimbringen und vom Westen deine Angehörigen sammeln; ich will dem
Norden gebieten: Gib sie heraus! Und dem Süden: Halte sie nicht zurück! Bringe
meine Söhne aus der Ferne heim und meine Töchter vom Ende der Erde“.
Wer diese Aussage Gottes auf die Heimkehr aus dem babylonischen Exil bezieht,
irrt, denn damals kehrten sie nur aus Babylon zurück. Heute dagegen aus all den
in Jesaja 43 genannten Himmelsrichtungen, denn seit Staatsgründung kehrten Juden
aus über 140 Nationen nach Zion zurück. Daher kann man diese Prophetie nur auf
das heutige Israel beziehen.
In Hesekiel 39,25-26 lesen wir:
„Ich will das Geschick Jakobs wenden und mich des gesamten Hauses Israel
erbarmen und für meinen heiligen Namen eifern. Dann soll ihre Treulosigkeit und
Schmach, die sie gegen mich haben zuschulden kommen lassen, vergessen sein,
wenn sie wieder in ihrem Lande wohnen werden.“
Dass bereits die Hälfte der Juden wieder im Lande ihrer Väter wohnen, ist
offensichtlich, da braucht man nur Israel zu besuchen, um die heimgekehrten
Juden zu erleben. Wer dies nicht wahrhaben will, will nur nicht wahrhaben, dass
mit der Tatsache, dass sie wieder in ihrem Lande wohnen, auch die Vergebung
ihrer Schuld und der Treulosigkeit verbunden ist. Dies bekräftigt der HErr durch
Sein Wort in Jeremia 31,37, dass Er „die gesamte Nachkommenschaft Israels nicht
verwerfen wird wegen alles dessen, was sie begangen haben.“
Nun kommt der Einwand, dass es politisch ja noch nicht sicher ist, dass dieses
Land zwischen Mittelmeer und Jordan den Juden gehört, denn die Palästinenser
beanspruchen ja auch dieses Land. Dazu aber sagt der HErr:
„Ich will euch aus allen Ländern sammeln und euch in euer Land zurückbringen“ (Hesekiel
36,24).
Erstens: Es ist der HErr (Ich will), der die Juden aus allen Ländern sammelt.
Die Zionisten sind nur Seine Handlanger. Zweitens: Das euer bezieht sich
auf die Juden als Besitzer des Landes und das waren weder die Römer oder die
Palästinenser, sondern allein die Juden, was Gott durch den Nachsatz
unterstreicht, dass Er die Juden in ihr Land zurück bringen wird, also
dahin, wo sie hergekommen sind, und das ist allein Eretz-Israel.
Wer das in Erfüllung gegangene prophetische Wort nicht auf das gegenwärtige
Israel bezieht, macht aus dem Wort Gottes eine Brücke, über die er nicht gehen
kann, wenn er einmal persönlich darauf angewiesen sein wird, denn das Wort
Gottes ist keine Menükarte, aus der wir uns heraussuchen dürfen, was uns gefällt
oder was wir logisch einordnen können.
|
|
| Zurueck zu Politik |
|
|
|